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	<description>Das Leben ist die Essenz der Gedanken</description>
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		<title>Rezension: Die Dinge beim Namen nennen</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Jul 2011 21:44:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>dennislohmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
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		<description><![CDATA[Das will auch Joris Luyendijk; Dinge beim Namen nennen und Europa ein Bild der arabischen Welt eröffnen, das abseits liegt vom „Mainstreamjournalismus“ à la CNN oder dpa. Mit seinem Buch Wie im echten Leben  scheint er nun das Werkzeug gefunden zu haben, das er als Auslandskorrespondent in Kairo, Jerusalem oder Beirut vergeblich suchte oder zumindest [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=dennislohmann.wordpress.com&amp;blog=10438982&amp;post=895&amp;subd=dennislohmann&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das will auch Joris Luyendijk; Dinge beim Namen nennen und Europa ein Bild der arabischen Welt eröffnen, das abseits liegt vom „Mainstreamjournalismus“ à la CNN oder dpa. Mit seinem Buch Wie im echten Leben  scheint er nun das Werkzeug gefunden zu haben, das er als Auslandskorrespondent in Kairo, Jerusalem oder Beirut vergeblich suchte oder zumindest nicht benutzen durfte. Ein Buch, welches in seiner Konsequenz die Auslandsberichterstattung verändern und den Glauben der Konsumenten an die Unfehlbarkeit der Korrespondenten erschüttern müsste.</strong></p>
<p>Der Leser selbst muss sich im Laufe der Lektüre mehrmals fragen, welches Bild der arabischen Welt zutreffend ist, oder ob so etwas wie eine arabische Gemeinschaft überhaupt existiert. Immer wieder wird er von Luyendijk mit den unterschiedlichen Facetten dieser geschichtsträchtigen Region konfrontiert und erkennt langsam, wie breit der Graben zwischen dem von den Medien suggerierten Gesellschaftsbild und der komplexen Realität sein kann. Luyendijk bietet dabei keine Lösung des Problems an indem er eine richtige, „stimmigere“ Realität anbietet, vielmehr geht es ihm um die Offenlegung der Mechanismen, welche unsere Wahrnehmung der Region verzerren und behindern.</p>
<p>Vielleicht wissen sie ja, welche arabischen Instanzen sich hinter den deutschen Begriffen Die Basis, Das Leben, Hingabe oder Die Insel  verbergen, den meisten westlich geprägten Bürgern sind aber eher die Namen Al-Qaida, Al-Hayat, Hamas und Al-Dschasira bekannt. Es wird deutlich, dass gerade die Sprache, das Handwerkzeug eines jeden Journalisten, unser Bild von dieser Region prägen und manipulieren. Besonders die Nutzung bekannter Begriffe, die in ihrer Bedeutung schon mit einem positiven oder negativen Tenor belegt sind, verschleiern oftmals die Realität. Die Medien nennen Assad oder Mubarak zwar Präsident, benutzen für Saddam Hussein aber das Wort Diktator. Luyendijk will klarstellen, dass alle arabischen Bürger in einer Diktatur leben müssen und dass westliche Regierungen und Bürger oftmals nicht verstehen, was dies für die Lebensumstände der Betroffenen bedeutet. „Die Diktatur an sich war das Wichtigste, was es über die arabische Welt zu berichten gab. In manchen Ländern war durch die Nebelschwaden der Propaganda die Sicht auf das Elend erschwert, aber im Grunde funktionieren die zwanzig arabischen Diktaturen nach demselben Schema.“ Der Autor selbst empfindet die Berichterstattung aus diesen Diktaturen dabei oftmals als Gratwanderungen zwischen seriöser Berichterstattung und der Unmöglichkeit empirisch gesicherte Daten in einer Gesellschaft zu erlangen, in der jede Meinungsäußerung ins Gefängnis führen kann.</p>
<p>Im Heiligen Land macht Luyendijk einen Medienkrieg aus, in dem die Konfliktpartei mit der besten PR-Maschinerie am Ende den Sieg davontragen wird. Sprache sei hier weniger eine Form der Kommunikation, sondern vielmehr ein Mittel um die eigene Sicht der Dinge zu propagieren. Anhand der Wortwahl könne man anschließend oftmals schon erkennen, mit welcher Seite der Autor eines Textes grundsätzlich sympathisiere. „Heute sind in Ramallah im besetzten beziehungsweise umstrittenen beziehungsweise befreiten Westjordanland beziehungsweise in Samaria zwei Palästinenser beziehungsweise Muslime beziehungsweise arabische Neuankömmlinge beziehungsweise Terroristen beziehungsweise Freiheitskämpfer von israelischen Soldaten beziehungsweise der Israelischen Verteidigungsarmee beziehungsweise den zionistischen Besatzungstruppen getötet beziehungsweise massakriert worden…“ Und so setzen alle Seiten enorme Mittel ein, um den Kampf um die Gunst der Medien und damit die Gunst der westlichen Bevölkerung zu gewinnen und den eigenen Zielen somit ein Stückchen näher zu kommen. Die Sprache ist dabei die Waffe, mit welcher die Konfliktparteien diese Ziele erreichen oder verfehlen können. Die westlichen Medien spielen dabei oftmals nur noch die Rolle der Marionetten verschiedener Regierungsinstitutionen.</p>
<p>In seiner Gradlinigkeit, seiner Konsequenz und seiner sprachlichen Brillanz ist Wie im echten Leben ein Buch, welches jeder angehende Journalist, aber auch jeder (vermeintliche) Kenner des Nahen Ostens unbedingt gelesen haben sollte. Besonders in Zeiten des Krieges sind es die Bilder, aber oftmals auch die Sprache, die unser schnelles Urteil bestimmen und auf lange Sicht prägen. Zu welchen Verirrungen unterschiedliche Interpretationen des gleichen Ereignisses führen können, verdeutlicht dabei abschließen das folgende Zitat:</p>
<p>„Der Letzte auf meiner Liste war ein arabischer Botschafter. […] Der Botschafter fand es etwas seltsam, ausgerechnet jetzt als Korrespondent aufzuhören, wo doch die Amerikaner nach Bagdad vorrückten. […] Ein Assistent erschien, flüsterte dem Botschafter etwas zu und schaltete CNN ein. Der Sender zeigte gerade, wie auf dem Fardus-Platz (dem Paradiesplatz) in Bagdad die riesige Saddam-Hussein-Statue niedergerissen wurde. Die Iraker jubelten und skandierten Parolen in die Kamera, droschen mit Schuhen auf die Statue ein. […] Der Botschafter zappte zum arabischen Sender Al-Dschasira. Wieder lief etwas über den Fardus-Platz, durch den Schnitt wurde aber ein anderer Schwerpunkt gesetzt. Wir sahen amerikanische Soldaten an demselben Ort triumphierend eine amerikanische Flagge über die Saddam-Statue werfen. Danach wurde gezeigt, wie dort fieberhaft verhandelt wurde und die amerikanischen Soldaten die Flagge schnell wieder entfernten. Dann zeigte Al-Dschasira die jubelnden Iraker von CNN, allerdings aus einiger Entfernung, so dass klar wurde, wie wenig Menschen eigentlich auf dem Platz waren und dass die meisten aus der Distanz zuschauten.“</p>
<h1>Titel: Wie im echten Leben: Von Bildern und Lügen in Zeiten des Krieges</h1>
<p><strong><a href="http://dennislohmann.files.wordpress.com/2010/07/krieg.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-902" title="Krieg" src="http://dennislohmann.files.wordpress.com/2010/07/krieg.jpg?w=150&#038;h=150" alt="" width="150" height="150" /></a>Hardcover:</strong> 224 Seiten</p>
<p><strong>Herausgeber:</strong> Tropen Bei Klett-Cotta; Auflage: 2., Aufl. (17. September 2007)</p>
<p><strong>S</strong><strong>prache:</strong> Deutsch</p>
<p><strong>ISBN-13:</strong> 978-3608500257</p>
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